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Die Euphorie des Schmerzes | Tour du Donon 2012

Rotierende Beine, gespannte Muskeln, verzerrte Gesichter, viel Schweiß, das Summen der Ketten, das Geräusch des Windes in den Laufrädern, die Leichtigkeit des Gleitens, der Kampf am Berg mit sich selbst und der Steigung…all das und vieles mehr sind die Bestandteile eines faszinierenden Sports. Rennrad fahren ist aber nicht nur Sport, sondern für viele eine Lebenseinstellung.

Wer einmal mit dem Virus des Radfahrens infiziert ist, wird ihn selten wieder los. Egal, wie oft man sich auf den Asphalt oder Waldboden legt und das Rad verflucht. Egal, wie viele Krämpfe man an einem Berg hat oder wie ausgelutscht man sich nach einer Tour fühlt, man steigt immer wieder auf den Renner oder das Berg-Rad und nimmt die nächste Runde in Angriff.

Radsportler werden als die Arbeiter in der Welt des Sportes angesehen. Wenige Sportarten verlangen so viel Willen, Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit von einem Sportler. Dabei ist unerheblich, ob es sich um einen Profi oder „Hobby-Fahrer“ handelt. Wer einmal zweifelt oder aufhört, in die Pedale zu treten, steigt meist kurz danach vom Rad. Was niemand bei Hunderten von Höhenmetern, endlosen Kilometern bis zum Ziel und Tausenden von verbrauchten Kalorien den Sportlern verdenken kann. Aber der Anspruch der Fahrer an sich selbst ist ein anderer und Aufgeben keine erstrebenswerte Option.

So auch die Fahrerinnen und Fahrer, die ich bei der Tour du Donon 2012 begleiten und portraitieren durfte. Bei unbarmherzigen Temperaturen, die den Asphalt zum Schmelzen brachten, machten sich 37 Sportler auf eine ganz besondere Tour mit integriertem Bergzeitfahren. Zuerst fuhr das Peloton geschlossen von Saarbrücken bis zum Fuße des Donon, des Quellbergs der Saar in den Vogesen. Die ersten 100 Kilometer über die aufgeheizten Straßen in Frankreich wurden bereits in einem sehr zügigen Tempo zurückgelegt, bevor die Fahrer am eigentlichen Startpunkt in Abreschviller eintrafen.

Dann begann der eigentliche Ritt: ca. 700 Höhenmeter, verteilt auf 20,15 Kilometer Strecke, galt es in der schnellstmöglichen Zeit zurückzulegen. Der Sieger benötigte für die Strecke 45:34 Minuten bei 40 Grad Hitze. Die schnellste Frau war nach 47:43 Minuten im Ziel. 26 Fahrer kamen ins Ziel. Neun Teilnehmer mussten das Rennen hauptsächlich auf Grund der Hitze aufgeben. Und das alles nach einer vierstündigen Fahrt, die ebenfalls nicht von Trödelei geprägt war.

Für mich war es ein besonderer Tag. Ich konnte endlich nach all den Jahren wieder ein Radrennen begleiten und fotografieren. Dabei wollte ich die Fahrerinnen und Fahrer kurz nach dem Zieleinlauf fotografieren, um die frischen Spuren der Anstrengungen in ihren Gesichtern festzuhalten. Wer genau hinschaut, sieht neben den Schmerzen auch die Euphorie in den Gesichtern, ausgelöst durch das Wissen, es geschafft zu haben. Die Glückshormone, die eine solche überstandene Anstrengung mit sich bringt, tun ihr Übriges.

Man findet in diesen Portraits die Faszination, die der Radsport auf Athleten und Zuschauer ausübt.

 

gepostet von Martin Reinicke
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Harald Schnur -

Hallo Martin, super Bilder! Danke